Kräuterlikör und Kruidenbitter: Nordeuropas Kräuterliköre

Kräuterlikör im Deutschen und Kruidenbitter im Niederländischen stehen für denselben nördlichen Brauch: eine hochprozentige Spirituose, in der Kräuter, Wurzeln und Gewürze angesetzt werden und die pur und oft in einem Zug getrunken wird. Jägermeister ist die Flasche, die die meisten kennen; der Rest der Familie ist kleiner und regionaler, und manches davon ist viel älter.

Was ist Amaro?

Kräuterlikör und Kruidenbitter: Nordeuropas Kräuterliköre

Worin unterscheidet sich ein Kräuterlikör von einem Amaro?

Weniger, als die beiden Namen vermuten lassen. Beides sind Kräuterliköre, bei denen Kräuter in Alkohol angesetzt werden und der Auszug gesüßt wird, und Jägermeister wird oft zu den Amari gezählt. Der Unterschied liegt eher in Geografie und Gewohnheit als im Rezept: Die italienischen Flaschen werden meist nach dem Essen langsam in kleinen Schlucken getrunken, die deutschen und niederländischen dagegen häufiger eiskalt in kleine Gläser eingeschenkt oder aus dem Portionsfläschchen geleert.

Ist ein Kräuterlikör dasselbe wie Cocktail-Bitters?

Nein. Cocktail-Bitters sind ein Würzmittel, das in wenigen Spritzern dosiert wird, und niemand trinkt ein Glas Angostura. Ein Kräuterlikör dagegen ist zum Trinken gedacht. Underberg kommt der Grenze am nächsten: Er wird im Portionsfläschchen verkauft und mit 44% vol. abgefüllt, doch auch dieses Fläschchen wird ausgetrunken und nicht spritzerweise einem anderen Drink beigegeben.

Welche deutschen Flaschen prägen den Stil?

Im Wesentlichen sind es vier Flaschen. Jägermeister, 1934 aus 56 Kräutern entwickelt und mit 35% vol. abgefüllt, ist außerhalb Deutschlands am weitesten verbreitet. Underberg wird seit 1846 hergestellt und in seinem eigenen Portionsfläschchen verkauft. Bei Kuemmerling, ebenfalls im Portionsfläschchen, gibt Anis den Ton an; Hugo Kuemmerling legte die Rezeptur 1938 fest. Killepitsch ist ein Düsseldorfer Likör aus den 1950er-Jahren, dunkel und warm gewürzt, mit 42% vol.

Was ist Berenburg, und was ist ein Kruidenbitter?

Kruidenbitter ist der niederländische Name der Kategorie, und Berenburg ist ihre friesische Spielart: Kornbrand, in dem Kräuter wie Wacholder und Lorbeer angesetzt werden, mit rund 30% vol. Der Stil ist nach Hendrik Beerenburg benannt, einem Amsterdamer Gewürzhändler. Sonnema stellt Berenburg seit 1860 in Dokkum her, und Weduwe Joustra füllt einen weiteren ab. Auf der Insel Texel wird Juttertje aus vierzehn Kräutern und Gewürzen hergestellt; der Name soll auf die Strandgutsammler zurückgehen, die ihn tranken, um sich aufzuwärmen.

Wo ist Unicum einzuordnen?

Unicum stammt aus Ungarn: Die Familie Zwack stellt den Likör seit 1790 aus mehr als vierzig Kräutern und Gewürzen her und lässt ihn in Eichenholz reifen. Mit 40% vol. fließt er fast schwarz ins Glas und ist bitterer als die deutschen Flaschen. Damit gehört er zur selben Familie, allerdings als mitteleuropäischer Cousin und nicht als nördlicher.

Wie werden sie serviert?

Das hängt von der Flasche ab. Jägermeister, Killepitsch und Berenburg werden eiskalt getrunken: Jägermeisters eigene Zapfgeräte halten den Likör auf minus achtzehn Grad, Killepitsch kommt direkt aus dem Gefrierfach, und in Friesland kommt Berenburg kalt ins Glas. Underberg ist die Ausnahme: Er wird bei Zimmertemperatur und in einem Zug aus seinem Portionsfläschchen getrunken. Auch für Longdrinks eignen sie sich. Die Website führt für diese Familie Jäger Mule, Icy Killepitsch, Kuemmerling Lemonade, Sonnema Sour, Texel Warmer, Berenburg met Sinas und Zwack and Soda, dazu Underberg pur.

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